Old Boys on Tour 2020

20. – 22. August 2020: Etappe 6 im schönen Wallis – Von Brig ach Aigle

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Dieser Bericht ist im “info Hist Rdf Kp”, dem offiziellen Organ der Historischen Radfahrer Kompanie (Ausgabe 3/2020) erschienen. Ein Herzliches Dankeschön dem Redaktor und Teilnehmer der OLD BOYS ON TOUR 2020 Rudolf Mader.

 

Donnerstag, 20. August 2020

Ja liebe Radsportfreunde, unsere Spez. Truppe «Old Boys on Tour» hatte wieder einen genialen Einsatz auf einer weiteren Teilstrecke um die Schweiz.

Im wunderschönen Städtchen Brig wurden die Gäste, unweit vom Bahnhof, am späteren Nachmittag empfangen und mit allem ausgerüstet, was es braucht, um diese Übung zu überleben. Wir durften 19 Gäste begrüssen – darunter waren auch drei neue Gesichter, welche sich aber schon vor der Nachspeise absolut integriert haben und sich unter alle anderen verteilt hatten.

Thomas Balzli, ein unglaublich vielfältiger Sportler, der mir kurz seine am Vortag absolvierte Bergtour schilderte und meinte «darum könnten nun beim Start seine Oberschenkel etwas brennen»! Kleine Randnotiz: er hatte am Folgetag keinerlei Mühe und war absolut begeistert vom Militärrad, auf dem er seine ersten Kilometer in seinem Leben absolvierte.

Franz-Xaver, ein äusserst fitter Radfahrer, der die RS vor fünfzig Jahren gemacht hatte, wollte mir am Vorabend das Rad für den Transport fast gar nicht aus seinen Händen geben. Erst als ich ihm versicherte, selber Radfahrer zu sein, durfte ich seine “Geliebte” doch noch verladen.

Nun noch zu Marco! Ein junger Mann in seinen besten Jahren mit den allerfeinsten Kollegen, den Familien Gaugler und Wyss aus Fulenbach. Sie hatten ihm zu diesem genialen Schritt verholfen, an der Old Boys teilzunehmen, da seine Hochzeit kurz bevorsteht.

Die tolle schwarze Old Boys Jacke, das diesjährige Geschenk an alle Teilnehmenden, war eine gelungene Überraschung und kam bei allen super an. Danke, Nadine!

Freutag, 21. August 2020

Der Start um 08.30 Uhr verlief ohne grössere Zwischenfälle und wir durften in unseren Reihen noch wirklich grossartige Walliser Urgesteine begrüssen, welche uns den ganzen Freitag durch ihren schönen Kanton begleiteten. Es waren namentlich Rinaldo, Philipp und unser Altmeister-Guide Albert! Alle drei wurden in Brunos Gruppe eingebettet, damit sich unser Freund sicher nicht wieder bis nach Dornbirn verfährt.

Hier eine erste Reportage von Bruno:

Am Freitag, 21. August 2020 befanden wir uns auf einer herrlichen Strecke von Total 88 km Länge in Richtung Martigny, wo wir dann auch übernachteten. Nach 38 km durften wir unseren ersten Halt in Salgesch machen – zu dieser frühen Uhrzeit etwas speziell, passte aber als Degustation getarnt absolut genial in den Tag. Um 11.15 Uhr starteten wir wieder auf die Etappe und mussten nun alle feststellen, dass das Thermometer heute wohl tatsächlich schwindelnde Höhen erreichen wird. Kurz nach diesem Start wurde die Gruppe von Mäge schon von einem Defekt heimgesucht. Bernhard hatte in einer kleinen Steigung ausserhalb Sierre ein ganzes Pedal weggetreten. Mit riesigem Geschick in dieser verkehrsreichen Passage hatte unsere Begleitfahrerin im grossen Zollinger Bus, Nadja, die Lage im Griff und konnte uns kurze Zeit später das Reserverad übergeben.

Nun rollten beide Gruppen, Bruno zuerst?????, in Sion ein und eine kurze Besichtigung der wunderschönen Altstadt stand uns bevor. Diese Pause wurde auf verschiedene Arten genutzt – je nach Gusto.

Der Mittagshalt war nur gerade 6 km ausserhalb von Sion im einem wunderschönen Park. Das Thermometer kletterte nach dem Mittagessen mal kurz über 33 Grad und so stand einer Abkühlung im herrlichen Badesee nichts mehr im Weg. Initiantin war natürlich Norma, welche es jedoch sofort schaffte, eine kleine spontane Gruppe zu mobilisieren.

Mit dem Ziel vor Augen rollten wir um ca. 15 Uhr weiter. Zur Aussentemperatur kam nun noch eine andere leichte Erschwernis dazu: Der berühmte Wind aus Richtung Genfer See. Mit Bravour wurde auch diese Schwierigkeit gemeistert und wir durften ziemlich zeitgenau die ersten kühlen Getränke im Hotel zu uns nehmen.

Das Nachtessen mit unserem alten Skistar Roland Collombin war ein weiteres Highlight.(Randbemerkung: 2. Platz bei den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo (hinter Bernhard Russi) und Gewinn des Abfahrtsweltcups in den Jahren 1973 und 1974).  Ein Gladiator der oben etwas grau geworden ist, aber seine Beinmuskeln erzählen immer noch grosse Geschichten. Meiner Frau Nadja (sie ist Tirolerin) hat er verraten, dass er sich heute noch mit Franz Klammer trifft!

Samstag, 22. August 2020

Die Etappe 2 startete wieder pünktlich zur angesagten Zeit um 09:00 Uhr. Lukas setzte alles auf eine Karte und genehmigte sich schon vor dem Start eine Stange Bier – damit sein Körper irgendwann wieder ins Gleichgewicht kommt. Die heutige Samstagstour hatte bis Aigle nur 31 km auf dem Zähler; dies aber nicht ohne Grund, den die Gäste aber erst viel später erfuhren.

Die ersten Kilometer waren hart, da der Wind bereits aufgefahren war und das Wetter schon seine Wolkenformationen angezeigt hatte. Jeder hat auf Regen getippt, aber wir sind zeitlich goldrichtig losgefahren und hatten bloss nasse Strassen unter den Rädern. St. Maurice war unser heutiger einzige Kaffeehalt. Ein kleines bezauberndes Dörfchen mit viel Geschichte im Rucksack. Während die meisten hier den Kaffee genossen, tanzten unsere Uschi und Lukas bereits ein kleines «Wärm dich ein», mit Musik aus den Musikboxen von Rolands Handy. Der Tanz fand dann ein abruptes Ende mit den Worten von Lukas: «Wer tanzen kann, hat kein Geld zum Saufen»!

Bereits um 11:45 Uhr erreicht die Spitzengruppe Aigle. Der saubere Radpark unter dem Velodrom des World Cycling Centers – Le Centre Mondial du Cyclisme UCI (CMC) – hat bei niemandem Verdacht ausgelöst – man sah eher etwas Enttäuschung in den Gesichtern der Teilnehmenden; die Tour 2020 könnte ja vielleicht schon vorbei sein!?

Doch wer kam nun anmarschiert mit seiner Sporttasche in der Hand: Jean-Pierre Roch! Der war doch gestern schon mit uns am Mittagessen?!

Dann erkannte man die riesige Erleichterung in allen Gesichtern, als ich verkündete, dass der Tag nun unter der Leitung von Jean-Pierre und seinem Helfer Pascal seine Fortsetzung findet. Den Rest haben die meisten noch nicht realisiert. Erst als alle in der Halle standen und mit eigenen Augen die Innendekoration selber betrachten konnten, wurde es ruhig und ruhiger und bald ganz leise!

Zwei Steilwandkurven und eine Zwischengerade – und dann haben es wohl nun alle begriffen: sie dürfen nun zwei Stunden Bahnfahrschulung geniessen unter der Leitung der genannten beiden Profis. Eine grosse Überwindung mit vielen positiven Gefühlen durfte jeder um 15 Uhr in seinen persönlichen Lebensrucksack packen.

Und dann hiess es leider wiederum Abschied nehmen und sich für ein weiteres Jahr fit zu halten – mit was auch immer – um auch im 2021 wieder am Start der Old Boys on Tour 2021 zu sein!

Bruno und ich gratulieren allen Teilnehmenden noch einmal ganz persönlich zu diesem mutigen Entschluss, für kurze Zeit sein Vertrauen in andere Hände zu legen um die Rennbahn zu beschnuppern. Wir konnten riesige Freude hervorzaubern und das war unser einziges Ziel!!!!

Wir freuen uns auf den nächsten Event auf dem Militärrad im 2021 – lasst euch überraschen!

Liebe Grüsse vom ganzen Old Boys Team mit Nadine, Nadja, Bruno, Claudia und mir.

Herzlichst, euer Mäge