Tour of Oman 2016

Sonntag, 28. Februar 2016

Nun geht es also los, die Weltpremiere: Die „Tour of Oman“ startet heute endlich.
Claudia hätte wegen einer Zugpanne zwar fast den Flieger verpasst, aber schliesslich sind wir doch noch alle gut in Muskat angekommen.

Nach einem kurzen Besuch des Souks in Muskat und einem gemütlichen Abendessen am Samstag, standen heute 90 Km und 1300 Höhenmeter auf dem Programm.

Nach ein paar flachen Einrollkilometern ging es direkt in die Berge, wo uns einige saftige Rampen begrüssten. Der Schweiss floss und die Seele genoss. Es waren atemberaubende Anblicke und ein Wunder der Natur. Die Berge zeigten sich in ihrer ganzen Farbenpracht. Mal rot, mal weiss, mal grün…wunderbar!

Nun sind wir in der Wüstenstadt Ibri gelandet. Hier erwarten uns morgen 100 Km flache Wüstenlandschaft mit erstklassigen Strassen, einigen Kamelen und Ziegen. Unsere zwei lokalen Guides werden sicher wieder Kaffee für uns kochen und uns dieses wunderbare Land näher bringen.

Montag, 29. Februar 2016 – Wüste, Kamele und heisse Reifen

Von Ibri durchquerten wir heute die Wüste bis nach Bahla. 116 Rollerkilometer vom Feinsten standen auf dem Programm. Für die Meisten von uns war es die erste Wüstendurchquerung auf dem Velo. So staunten wir alle, wie abwechslungsreich diese karge Gegend doch ist und erfreuten uns an den freilaufenden Kamelen.
Was die Omanis über uns denken bleibt ein Geheimnis. Obwohl jeder Wagen der an uns vorbei fuhr, fröhlich hupte und alle winkten, wurde man ab und zu das Gefühl nicht los, dass sie gerade an die eben erwähnten Tiere dachten…
Unsere Reifen wurden aber nicht nur vom Teer gewärmt, sondern auch deshalb, weil die zwei Gruppen mächtig Gas gegeben haben. Nach der gestrigen Bergetappe haben es offensichtlich alle genossen fast meditativ zu rollen. Die Gedanken von jedem Einzelnen kennen wir zwar nicht, aber wir wissen, dass der Oman heute 12 neue Fans gewonnen hat. Willkommen im Land von 1001 Nacht!

Morgen gibts Kultur und eine atemberaubende Etappe. Mehr dazu im nächsten Bericht.
Ah, noch was – alle sind wohlauf und zufrieden, auch wenn’s heute kein Feierabend-Bier gab.

Dienstag, 01. März 2016 – Vom Fort Jabreen-Al-Ajn vorbei am Dschabal Mischt nach Sint

Heute stand erst einmal etwas Kultur auf dem Programm. Wir besuchten das Fort, resp. Schloss Jabreen. In Friedenszeiten war es das Schloss des Iman und in Kriegszeiten eine Burg zur Verteidigung. Der Besuch hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt und wir haben gelernt, dass nicht nur die Habsburger oder die französischen Kaiser für ihre Zeit beeindruckende Sachen erbaut haben. Jabreen zeigt, wie hochstehend diese Kultur einer ehemaligen Weltmacht, entwickelt war.

Nach einem kurzen Transfer gings dann für 85 Km und fast 800 Hm aufs Velo. Wir können die heutige Etappe kaum beschreiben. Sie ist etwas vom Schönsten, was es für Velofahrer gibt. Perfekte Strassen, keine Autos und eine Natur zum Staunen. Der Anblick des mächtigen Dschabal Mischt hat sogar uns Schweizern den Atem stocken lassen. Der erst sanfte und dann anspruchsvollere Anstieg nach Sint via Sant hat allen ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Wie immer hatte Abdul Rahman alles perfekt für das Mittagessen vorbereitet. Lunch in der freien Natur unter einem Baum. Das könnte immer so sein.
Die Abfahrt zurück nach Al -Ajn haben wir trotz heftigem Gegenwind genossen. Hier endete die heutige Tour. Anschliessend gönnten wir uns nochmals etwas Kultur und besichtigten die 5000 Jahre alten Gräber die zum Weltkulturerbe zählen.

Nach so einem Tag fallen wir alle sehr zufrieden und angenehm müde ins Bett und sagen Danke!

Mittwoch, 02. März 2016 – Durch wunderbare Gärten bis auf die Alp d’Huez des Ostens

Heute Früh war die Spannung zu spüren. Alle waren gespannt auf die 1500 Hm Steigung in Al Hambra.

Erst gabs aber wieder ein bisschen Kultur. Wir besichtigten das riesige Fort von Bahla. Mit seinen über 100 Zimmern ist es das grösste Fort im Oman.

Nach einem kurzen Bustransfer gings dann aufs Velo. 35 Km durch wunderbare Gärten mit Düften von Lakritze, gesäumt von riesigen Palmenplantagen – herrlich!
Dann der erste Höhepunkt: Zum Capuccio in ein modernes Omani Kaffee mit Schwarzwälderkuchen und allem was das Herz begehrt.

Aber dann… nach kurzem Bustransfer wegen Hochwasser – richtig Hochwasser – gings an den Start zu unserer 25 Km langen mit 1500 Hm gespickten Herausforderung. Wir hatten den Anstieg von Al Hambra auf den fast 2000 m.ü.M. gelegenen Pass zu meistern, wo wir dann auch 2 mal übernachten werden.

Durchschnittlich hat der Pass bestimmt 10 Prozent Steigung. Etliche Rampen haben 10 – 15 Steigungsprozente, die härteste 17 Prozent!

Unsere Annahme war, dass das kaum einer von uns schafft. Aber weit gefehlt – fast alle Gäste haben diese Herausforderung angenommen und mit Bravour bestanden. Thomas war gar so schnell, dass er am Hotel vorbei gefahren ist (Das war allerdings schon 3 Km vorher zu sehen) und Monika hat ihre Rennradfahrerprüfung bestanden. Besonders zu erwähnen ist wieder einmal Martin. Mit fast 74 Jahren eine Meisterleistung – wir ziehen den Hut!

Nun gönnen wir uns einen schönen Abend bei gutem Essen und feinem Kardamonkaffee. Und morgen ist Ruhetag. Wandern und Wadibesuch (Oase) ist angesagt und ein Besuch bei einem Omani zu Hause.

Herzliche Grüsse aus 2000 m ü. M. bei 10 Grad.

Donnerstag, 03. März 2016 – Ruhetag

Heute Morgen kamen heimatliche Gefühle auf. Nebel auf 2000 m.ü.Meer, was uns aber nicht von unserer geplanten Wanderung abhielt. Dafür wurden wir dann mit herrlichen Ausblicken in die Bergwelt belohnt.

Hier noch eine kleine Anekdote:
Mitten in den Bergen, so ca. auf 1000 m.ü.Meer, sichteten wir einen Fussballplatz. Unser Guide Abdul Rahman erklärte uns, dass die Regierung einen Buben im Dorf gefragt hat, was er denn werden möchte. Seine Antwort: Ein Fussballer wie Messi. Daraufhin baute ihm die Regierung einen Fussballplatz mit Flutlicht und Tribüne…auch das ist der Oman.

Anschliessend brachte uns unser Bus nach Misfah. Ein Wunder der Natur – Eine Oase mitten in den Bergen. Abdul Rahman führte uns 2 Stunden durch den Wadi und wir lernten viel Neues über Land und Leute.

Besonders genossen haben wir dann das Mittsgessen in Misfah und einige nutzten auch gleich die Chance um Safran und Datteln zu kaufen.

Zum Schluss besuchten wir noch ein 500 Jahre altes Omani Haus. Besonderen Spass hatten Norma, Nadine und Claudia, die sich die landestypische Schminke ins Gesicht machen liessen.

Ein gelungener Tag neigt sich dem Ende zu.
Wir freuen  uns auf die morgige Etappe. Es erwarten uns 80 – 100 Km. Freude herrscht!

Freitag, 04. März 2016 – Von Al-Hamra nach Nizwa

Heute morgen starteten wir bei perfektem Sonnenschein auf 2000 m.ü.Meer. Der Bus brachte uns sicher ins Tal und wir genossen bei bester Stimmung unseren Bustransfer vorbei an Nizwa in die Wüste.

Dann nahmen wir die 100 Km lange Rolleretappe in Angriff. Die Natur zeigte sich wieder von ihrer besten Seite und wir staunten immer wieder über die Vielfalt der unterschiedlichen Farbtöne.

Offensichtlich inspirierten wir auch die lokalen Einwohner, die uns teilweise mit 3 – 5 Autos über mehrere Kilometer hinweg begleiteten. Wie Filmstars wurden wir behandelt. Jede Menge Fotos wurden von uns gemacht, Hände wurden während der Fahrt abgeklatscht und die Omanis zeigten uns ihre Fahrkünste mit ihren Autos. Ein richtiges Spektakel!

Dann war aber wieder diese meditative Stille der Wüste da. Nur das regelmässige Drehen der Radkurbeln war zu hören und alle waren in Gedanken versunken (bis auf die Gruppe von Nadine, die wohl nie mit … aufhört :-)) Das hat dann wohl auch die benötigte Kraft gegeben. Die Gruppe mit Bruno meisterte die 100 Km mit einem 30 Km/h Schnitt! Wow und Bravo sagen wir da! Aber auch Nadines Gruppe hat richtig rein gehauen. Besonders zu erwähnen ist diesmal Hans-Ruedi, der die ganze Etappe gefahren ist. Bravo!!

Heute und morgen übernachten wir im schönen Golden Tulipe Hotel in Nizwa. Damit sind wir ein Stück zurück in der für uns gewohnten Welt. Aber schon morgen geht das Abenteuer mit einer welligen Etappe weiter!

Herzliche Grüsse an alle zuhause! Ach ja: Martin ist von FB noch nicht richtig überzeugt – deshalb unbedingt Anfragen schicken! 😀

Laila Tiaba (gute Nacht)

Samstag, 05. März 2016 – Trotz Pannen-  Alles wird gut!

Heute Morgen waren wir alle bester Stimmung und freuten uns auf eine Etappe mit rund 70 Km und 1000 Hm. Nach einem kurzen Bustransfer in Richtung Ibra (nicht zu verwechseln mit Ibri) standen wir alle in den Startlöchern. Los geht’s – dachten und wollten wir alle. Nur Monikas Wechsler hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. So ist eine Gruppe schon mal los gefahren und die andere Gruppe übte sich im Teamwork. 2 Räder komplett umbauen, dazu zwei Reifen wechseln und einen Pneu ersetzen in 45 Minuten ist keine schlechte Leistung! Und alles Schlechte hat auch was Gutes: Norma bekam ein Storck Profi-Rennrad und war damit super glücklich.

Dann ging es auf die Aufholjagt. Monika musste sich erst etwas an ihr neues Storck Elite gewöhnen, was ihr aber schnell gelang. Thomas, Norma und Christian wollten richtig Gas geben – zumindest bis zu dem Zeitpunkt als Mister Celeste (Thomas) einen weiteren Plattfuss zu beklagen hatte. Gemeinsam mit Normas Hilfe konnte der Schaden fast behoben werden – Wäre da nicht der Schlauch beim Wechseln geplatzt. Immerhin durfte Thomas dann für ein Paar Kilometer sein Velo auf dem Trailer spazieren führen.

Auch mit der Routenführung hats heute nicht ganz geklappt. Unsere Guides meinten via Internet einen besseren Weg, als ursprünglich geplant, gefunden zu haben. Das hat leider nicht ganz geklappt…

„Uffffff“, dachten Nadine und ich. Doch dann schlug Johann vor, dass wir einfach noch 25 km fahren und dann einladen. Auf Nadines Wunsch sind wir dann alle in einer Gruppe gefahren.
Und siehe da…Es wurden wunderbare 30 Radlerkilometer mit teilweise anspruchsvollen, kurzen Steigungen. Alle blieben zusammen und die Welt war für uns wieder in Ordnung!

Am Abend besuchten einige noch den Souq in Nizwa. Besonders Claudia mag es scharf und deckte sich mit allerlei Gewürzen ein.

Morgen gehts auf die letzte Etappe. Es erwarten uns nochmals hügelige 80 Km. Freude herrscht!

Ach ja, Martin ist nun definitiv auf FB und hat schon viele Freunde gewonnen. Also unbedingt weiter Freundschaftsanfragen schicken.

Narakom qariban (bis bald)

Sonntag, 06. März – Letzte Etappe & Heimreise

Mit etwas Wehmut ging es gestern Morgen auf die letzte Etappe. Erst stand uns aber ein längerer Transfer bevor, da wir inzwischen recht südlich von Muskat waren.

Dann aber gings los! Wir freuten uns alle auf eine schöne Ausrolletappe. Bruno hatte uns allerdings verschwiegen, dass wir erst noch einen kleinen Pass mit bis zu 15 Steigungsprozenten zu überwinden hatten (In Gustis Wortschatz hies so etwas immer „Dräcks Hoger“). Alle kämpften sich irgendwie hoch und das hat sich gelohnt. Denn nun ging es die nächsten 25 Km wieder runter und wir passierten ein unglaublich wild schönes Tal (Bilder von Karl May:“Durchs wilde Kurdistan“ kamen uns in den Sinn). Plötzlich waren wir um 50 Jahre zurück geworfen. Wunderbar!
A Propos 50: Unser Thomas wollte uns doch glatt seinen 60. Geburtstag verschweigen… Wir haben mit Wasser auf ihn angestossen und gesungen!

Dann verdunkelte sich der Himmel zusehends und aus den Wolken drückten die ersten Tränen – gerade so, als würde der Oman um seine tollen Gäste weinen.  Nach 50 Km beschlossen wir, auf einem örtlichen Souq die Reise zu beenden. Mit einer gemeinsamen Welle sagten wir Goodbye zu 600 Km und 5000 Hm – schön, sehr schön wars!!
Auf dem Rückweg ins Hotel waren alle sehr entspannt. Nur  Radio 24 von Claudia und Nadine lief.
Dann noch eine kleine Testübung, um alle Velos zu verpacken und ein schöner Schlussabend mit ersten Bildern der Tour konnte beginnen. In Gedanken liessen wir die Woche nochmals Revue passieren. Unglaublich, was wir auf dieser Weltpremiere „Tour of Oman“ erleben durften. Wir kommen auf jeden Fall wieder und eine Küstentour von Muskat nach Salalah ist in Planung. Denn alle wollen nochmals hin in dieses Land von 1001 Nacht.

Nun sitzen wir alle im Flieger und freuen uns auf unsere Liebsten zu Hause. Nur das mit dem Wetter… Aaaber wir bringen die Sonne im Herzen mit.

Danke an alle. Machts gut und hebed sorg. Bis nöchscht mol.

Eure Nadine und Bruno